Depression

Wieso kam die Depression?

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Diese Frage wird mir heute noch sehr oft gestellt. Es muss schließlich irgendeinen Auslöser oder Grund geben, um das irgendwie zu verstehen. Bei mir war mein neuer Job der Auslöser. Ich sollte eine Führungsposition übernehmen, aber es lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Schnell wurde mein Frust immer größer, ich wurde traurig und dachte zu dem Zeitpunkt, ich bin nur traurig, weil mein Start nicht gut verlief. Ich habe gar nicht realisiert, dass die Depression schon im Anmarsch war. Durch die Enttäuschung, die ich wegen der Arbeit spürte, konnte sich die Depression still und heimlich breit machen. 

Nach über zwei Monaten begann eine sehr traurige Phase bei mir. Ich musste immer öfter nach der Arbeit weinen und konnte mir das nicht erklären. Ich hatte damals keine Ahnung, was eine Depression ist, wie sie sich bemerkbar macht und was ich dagegen tun kann. Allein diese Tatsache ist Grund genug, meine Story mit dir zu teilen. Damit immer mehr Menschen wissen, was eine Depression ist und viel früher handeln und dagegensteuern können, als ich es tat. Und das, obwohl ich sehr schnell gehandelt habe und mir Hilfe suchte.

Aber das war nicht schnell genug. So eine Depression kommt nicht einfach mal so und ist dann da. Das ist eine Ansammlung verschiedener Faktoren, die in meinem Leben eine Rolle spielten. Es geht um die Erziehung, die Kindheit, den eigenen Lebensstil, äußere Faktoren wie Freundschaften, Beziehungen, Konsum, Ernährung, Arbeitsumfeld – all das spielte bei mir eine Rolle. Mir wurde beigebracht, mich an die Außenwelt anzupassen und freundlich zu sein. Ich möchte betonen, dass es hier nicht darum geht, den Eltern Vorwürfe zu machen! Meine Eltern geben ihr Bestes und dafür bin ich dankbar. 

Ich habe also gelernt, anderen Menschen zu gefallen und das zu tun, was sie erwarten. Durch die Erziehung habe ich gelernt, die Wünsche meiner nahestehenden Personen sofort zu erfüllen, ohne dabei auf meine zu achten. Durch dieses antrainierte Verhalten war ich irgendwann gar nicht mehr in der Lage, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu kennen oder gar zu erfüllen – ich habe nur funktioniert. Irgendwann verlor ich mich komplett und entfernte mich so weit von mir, bis die Depression mir ein fettes Stop-Schild vor die Nase hielt. Mein Lebensstil, meine Einstellung und mein Umfeld passte nicht zu mir, zu meinen Werten, zu meiner Persönlichkeit. Ich habe mich zwar oft unwohl und anders gefühlt, doch ich dachte nie darüber nach, dass ich nicht der Mensch bin, den ich zu sein versuchte. Ich hatte nie die Mittel, das zu sehen. Also lebte ich irgendein anderes Leben, bis es nicht mehr ging. Bis die Depression mich daran erinnert hat, dass ich ein ganz anderer Mensch bin. Dass ich jetzt mal eine Pause benötige. Eine Pause vom Leben, um mich selbst wiederzufinden, denn offensichtlich habe ich mich komplett verloren. In meinem eigenen Leben habe ich mich selbst verloren. 

Die Depression hat mir also zunächst eine reingehauen und mich wachgerüttelt. Sie hat so lange gerüttelt, bis ich die Message gesehen und verstanden habe. Deshalb bin ich so unfassbar dankbar, dass sie das getan hat. Denn ohne die Depression hätte ich gar nicht erkannt, wie wunderschön mein Leben sein kann, wenn ich endlich damit beginne, meine eigenen Werte zu spüren. 

Im nächsten Blog-Artikel erzähle ich dir ein bisschen was über die Schritte, die ich nach dem großen Knall in die Wege geleitet habe.

 

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