Mein Leben

Aus der Komfortzone gekickt

Fabio in München

Warum tust du seit Jahren genau das, was du tust, obwohl du unzufrieden bist? Warum hängst du seit Jahren in der gleichen Situation, ohne etwas zu verändern? Diese Fragen stellen sich wahrscheinlich sehr viele. Darauf gibt es meiner Meinung nach unterschiedliche Antworten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Entweder ich bin zu faul, noch nicht genug genervt oder habe Angst vor der Ungewissheit. Angst vor der neuen Situation. Angst, zu scheitern. 

Irgendwann kam bei mir jedoch der Punkt, an dem ich das   Risiko eingehen wollte. Ich habe den sicheren und gut   bezahlten Job als Chef vom Dienst bei Sky aufgegeben, weil   ich etwas neues ausprobieren wollte. Der sichere Hafen war   für  mich nicht mehr attraktiv, ich stürzte also in die   Ungewissheit eines kleinen Startups. Wenige Monate später   wurde die Depression diagnostiziert, den Job hatte ich zu dem   Zeitpunkt bereits verloren. Mein damaliger Arbeitgeber hat mir   während der Krankmeldung und mit einer Frist von zwei   Wochen gekündigt. Mein Geld musste ich damals über einen   Anwalt einfordern. Da stand ich also – mit einer Depression   und  ohne Job in einer Vierer-WG und ohne Plan, wie es mit   den  Finanzen aussieht. Im selben Jahr stand in der WG eine   große Veränderung an – ich musste mir eine neue Bleibe   suchen, da die WG aufgelöst wurde. 

Alles fiel wie ein Kartenhaus zusammen und ich konnte nur zusehen. Mein Wunsch, mich aus der Komfortzone zu begeben, ging nicht nur in Erfüllung – ich wurde regelrecht rausgekickt und wusste nicht, wie mir geschah. Ich sah mich im Spiegel an und hatte die Bestätigung. Ich war komplett am Ende. Ja, genau deswegen ist es auch gefährlich, die Komfortzone verlassen. Genau deswegen wagen nicht so viele diesen Sprung ins kalte Wasser. Dieser Blick im Spiegel war nötig. Dieses Elend war nötig, damit ich mir im Klaren werde, wer ich bin, was ich kann und wie sehr ich auf mich achten sollte. 

Erst nach diesem Kick aus der Komfortzone war ich bereit, alles zu verändern. Erst nach diesem Kick war ich in der Lage, mein Leben aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten und es wertzuschätzen. Ich bin so dankbar für diesen Kick, denn nur so konnte ich sehen, zu was ich fähig bin. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob ich gleich so viele Hürden auf einmal nehmen muss, aber darüber habe ich mir zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken gemacht. Ich hatte mir ein erstes Ziel gesetzt. Diese Zeit irgendwie überstehen und gesund werden. Wirklich, irgendwie. 

In meiner Komfortzone habe ich zwar funktioniert, war in Sicherheit und finanziell im Wohlstand – aber ich habe gelernt, dass all das gar nichts wert ist, wenn ich nicht ich selbst bin. Es ist nichts wert, wenn ich nicht ganz genau nach meinen Vorstellungen lebe. Manchmal im Leben ist so ein Kick notwendig, finde ich. Deshalb bin ich auch für jede Situation dankbar. Ich bin froh für alles, was passiert ist. 

Mein Tipp: Überlege dir nicht, wie das Verlassen der Komfortzone jetzt besonders angenehm werden könnte – wenn es angenehm ist, hast du deine Komfortzone noch nicht verlassen. Denn machen wir uns nichts vor – das Verlassen der Komfortzone ist super schwierig, anstrengend, schweißtreibend, beängstigend und ätzend. Hast du das akzeptiert? Dann kannst du weitermachen. Es sind neue Situationen und neue Herausforderungen nötig, um zu wachsen und die nächsten Schritte zu gehen. Die Schritte bestimmst du selbst. Mein Schritt war es, zu mir selbst zu finden. 

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